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Werte- und Geschlechterverständnis

„Die Integration der Flüchtlinge in alle Bereiche der Gesellschaft wird auch von ihren Grundüberzeugungen und Werten beeinflusst. Flüchtlinge sind stark von den negativen Erfahrungen mit Krieg und Terror sowie mit ethnischer und religiöser Verfolgung in ihren Heimatländern geprägt. Die große Mehrheit begrüßt ausdrücklich die in Deutschland gelebten Werte: Zu den wichtigsten zählen Freiheit und Rechtsstaatlichkeit sowie Familienwerte. Sie schätzen den respektvollen Umgang der Menschen untereinander und die Achtung von Menschenrechten. Sie würdigen das gemeinschaftsorientierte Verhalten der deutschen Bevölkerung, die demokratischen Verhältnisse mit klaren allgemeingültigen Regeln und einer funktionierenden Bürokratie und wünschen sich das auch für ihr Herkunftsland.

Die Themen „Gleichberechtigung und Geschlechterrollen“ gestalten sich allerdings nicht so eindeutig. Übergriffe auf Frauen z.B. wie während der Silvesternacht in Köln werden von befragten männlichen Geflüchteten scharf verurteilt. Obwohl die meisten männlichen Befragten aus arabischen Herkunftsländern die Gleichstellung von Mann und Frau als abstraktes Prinzip durchaus unterstützen, ruft in vielen Interviews mit Personen aus dem arabischen Raum das in Deutschland gelebte Frauenbild in Hinblick auf Bekleidung, Auftreten von Frauen in der Öffentlichkeit, Arbeitsteilung im Haushalt und andere Bereiche des Alltags aber häufig Irritationen und Verunsicherung, mitunter auch Ablehnung hervor.

Insgesamt sind traditionelle Familienwerte und eine eher paternalistische Grundhaltung, in der dem Mann die Rolle des Beschützers von Ehefrau und Schwestern zukommt wohl weit verbreitet. Auch die befragten Frauen stehen den hier gelebten Werten sehr offen gegenüber und schätzen die größeren Möglichkeiten, die sie in Deutschland haben“ (Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Nürnberg, IAB Kurzbericht 15/2016 vom 21.06.2016).

Die Auseinandersetzung mit teilweise tief verankerten unterschiedlichen Wertvorstellungen und Geschlechterrollen wird eine ganz besondere Herausforderung für eine gelingende Integration. Die grundgesetzlich garantierten Grundwerte beschreiben unumstößliche Grundsätze, zu denen natürlich auch die eigene Freiheit gehört, sich in diesem Rahmen zu bewegen. Dieses wird in vielen Alltagssituationen große Toleranz bei allen Beteiligten erfordern. Gleichzeitig sind bestimmte „Mindeststandards“ nicht verhandelbar. Hier sind natürlich in erster Linie die gesetzlichen Bestimmungen gemeint.

Ob bei den Wertvorstellungen und dem z.T. unterschiedlichen Geschlechterverständnis tatsächliche Annäherungen erfolgen werden, wird wohl ganz entschieden von der alltäglichen Begegnung im Kindergarten, in der Schule, am Arbeitsplatz und in der Nachbarschaft abhängen. Über die alltägliche Begegnung können Vorurteile am besten ausgeräumt und über den Austausch zu Verschiedenheiten auch Annäherungen erzielt werden.

Ziele*:

  • Die Geflüchteten, die Migranten und die einheimische Bevölkerung im Kreis Coesfeld sind über die unumstößlichen Grundregeln hinsichtlich der Wertvorstellungen und des Geschlechterverständnisses in Deutschland informiert.
  • Zugewanderte und einheimische Bevölkerung akzeptieren und leben die Gleichberechtigung von Frau und Mann auf der Basis des Deutschen Grundgesetzes.
  • Kinderschutz, Gewaltfreiheit und die Gleichberechtigung von Jungen und Mädchen in der Erziehung sind anerkanntes und gelebtes Grundrecht.
  • Das gesellschaftliche Zusammenleben ist geprägt von gegenseitiger Achtung, Toleranz und Wertschätzung kultureller Verschiedenheiten.
  • Angebote zu Schulungen und Informationsformen werden in ausreichendem Umfang vorgehalten und sind bekannt.

Handlungsempfehlungen*:

  • Werte- und Rollenverständnis möglichst früh im Lebensalter vermitteln
  • Infomaterial auf Inhalt und Zielgruppeneignung prüfen, ggfs. modifizieren oder neu erstellen
  • Informationen über Schulungs- und Hilfsangebote erfassen und einfach abrufbar zur Verfügung stellen
  • Öffentlichkeitsarbeit für möglichst alle Zielgruppen verstärken
  • Fortbildungen und Schulungen für Haupt- und Ehrenamtliche anbieten
  • Vermittlung interkultureller Kompetenz (Informationen über Herkunftsländer, Kultur und Religion) in die Lehrpläne der Schulen einbringen
  • Initiierung von „Brückenprojekten“ (z.B. Eltern-Kind-Gruppe)
  • zielgruppengerechte Angebote initiieren (z.B. Nähkurs für Mädchen und Frauen als Türöffner und Schutzraum, Schwimmkurs für Frauen)
  • Netzwerk von Dolmetscherinnen (speziell für die Beratung und Unterstützung von Frauen) und Dolmetschern für den Kreis Coesfeld aufbauen
  • sichere Orte für geflüchtete Frauen und Kinder schaffen (Unterkünfte etc.)
  • Gewaltschutzkonzepte erarbeiten
  • Frauen-, Ehe-, Familie- und Lebensberatung für Migrantinnen und Migranten (inkl. sprach- und kulturverständiges) Fachpersonal initiieren

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*Die genannten Ziele und Handlungsempfehlungen stellen im Einzelnen nicht zwingend die Sicht des Kommunalen Integrationszentrums dar. Im Rahmen des Integrationskonzeptes wurden diese in Zusammenarbeit mit Akteuren aus dem Kreis Coesfeld erstellt.