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Spracherwerb

Unbestritten ist der Erwerb der deutschen Sprache für Personen mit Migrationshintergrund von immanenter Bedeutung. Die Beherrschung der Bildungssprache Deutsch ist die Basis für die Teilhabe von Geflüchteten und Menschen mit Migrationshintergrund am gesellschaftlichen, kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Leben. Sie ist die Schlüsselfunktion für den schulischen Werdegang und die berufliche Integration. Kommunikation ist der wesentliche Bestandteil von Partizipation Geflüchteter und Menschen mit Migrationshintergrund.

Der Spracherwerb wird in allen Bereichen der Integrationsarbeit thematisiert und ist somit als querschnittübergreifendes Handlungsfeld zu betrachten. Ohne die Möglichkeit der Kommunikation, sei es auf formeller oder informeller Ebene, kann keine Integration gelingen.

Vor allem Kinder, deren Herkunftssprache nicht Deutsch ist, müssen die Möglichkeit haben, die deutsche Sprache frühzeitig zu erwerben und zugleich die Sprachkenntnisse in ihrer Herkunftssprache auszubauen und weiter zu nutzen.

Der Spracherwerb vollzieht sich zeitlich gesehen in drei Etappen: Die frühkindliche Sprachförderung, die schulische Sprachförderung und die Sprachförderung in der Arbeit mit Erwachsenen.

Frühkindliche Sprachförderung

Die Kindertagesstätte ermöglicht Kindern mit Migrationshintergrund als erste Institution eine in den Alltag integrierte, systematische Sprachförderung. Eine Sprachstanderhebung für alle Kinder, unabhängig des Herkunftslandes, wird zwei Jahre vor der Einschulung durchgeführt. Dabei betrachtet man die Sprachentwicklung aus pädagogischer Sicht und beurteilt die ausreichende Beherrschung der deutschen Sprache.

Schulische Sprachförderung

Schulkinder weisen teilweise nicht altersgemäße Sprachfähigkeiten, einen geringen Wortschatz und Probleme bei der Satzbildung auf. Dies gilt insbesondere für Kinder aus anderen Herkunftsländern, Kinder mit Migrationshintergrund sowie auch für Kinder aus bildungsfernen Familien mit Deutsch als Erstsprache. Die deutsche Sprache innerhalb des Schulkontextes ist nicht nur für den schulischen Werdegang, sondern auch für eine gelingende Kommunikation untereinander nötig. Daher ist Sprachförderung eine Standardaufgabe der Schule und wird nach einem entsprechenden Sprachförderkonzept durchgeführt. Sprachförderung von geflüchteten Kindern findet sowohl im Regelunterricht, als auch in separaten Sprachfördergruppen statt.

Sprachförderung für Erwachsene

Die Basis für den Erwerb der deutschen Sprache für Erwachsene mit Migrationshintergrund bilden die Integrationskurse des BAMF. Es gibt Alphabetisierungs- und Integrationskurse. Einen Alphabetisierungskurs können Migranten und Migrantinnen besuchen, die gemäß § 4 Abs.1 IntV teilnahmeberechtigt sind und bei denen der Besuch eines allgemeinen Integrationskurses oder eines anderen Integrationskurses für spezielle Zielgruppen auf Grund fehlender oder ungenügend vorhandener schriftsprachlicher Kompetenzen nicht sinnvoll ist. Die Gruppe der deutschlernenden Erwachsenen ist sehr heterogen. Die Spanne reicht von Personen, die über keinerlei Lernerfahrungen verfügen, über Personen, die Lernerfahrungen haben und bereits in einer Sprache alphabetisiert sind, bis hin zu Personen, die sehr gut vorgebildet sind und in Integrationskursen auf einem höheren Niveau einsteigen können. Es gilt auf jede Person individuell einzugehen und sie dort abzuholen, wo sie sprachlich steht. Dieses gestaltet sich in der Praxis mitunter schwierig.

Inhalte des Sprachkurses sind Themen aus dem alltäglichen Leben:

  • Arbeit und Beruf
  • Aus- und Weiterbildung
  • Betreuung und Erziehung von Kindern
  • Einkaufen
  • Freizeit und soziale Kontakte
  • Gesundheit und Hygiene
  • Medien
  • Wohnen
  • Briefe und E-Mails auf Deutsch verfassen
  • Formulare ausfüllen
  • Telefongespräche führen
  • sich auf eine Ausbildungs- und Arbeitsstelle bewerben

Inhalte des Orientierungskurses sind u.a.:

  • deutsche Rechtsordnung
  • Geschichte und Kultur
  • Rechte und Pflichten in Deutschland
  • Formen des Zusammenlebens in der Gesellschaft
  • Werte, die in Deutschland wichtig sind (z.B. Religionsfreiheit, Toleranz, Gleichberechtigung)

Anbieter für Integrationskurse sind Bildungsträger, wie z.B. VHSGEBA mbH und die German Language Academy (GLA). Im Kreis Coesfeld führen zudem eine Vielzahl von ehrenamtlichen Sprachpaten in den Städten und Gemeinden Sprachkurse durch bzw. organisieren offene Sprachtreffs. In erster Linie ist dieses Angebot an diejenigen gerichtet, die noch an keinem Alphabetisierungskurs und Integrationskurs teilnehmen, jedoch einen ersten Überblick über die deutsche Sprache erhalten und die Zeit bis zum Beginn eines Sprachkurses überbrücken möchten.

Ziele*:

  • Es gibt ein flächendeckendes Angebot an Integrationskursen auf verschiedenen Niveaustufen für alle Geflüchteten und Migranten im Kreis Coesfeld.
  • Es gibt ein Angebot an Sprachkursen, um Wartezeiten bis zum Beginn eines Integrationskurses zu überbrücken.
  • Die Mehrsprachigkeit wird als Chance gesehen und genutzt.

Handlungsempfehlungen*:

  • Lehr- und Lernmaterialien bereitstellen
  • Materialien und Methoden zur Differenzierung in heterogenen Lerngruppen bereitstellen
  • Integrationskurse parallel zur Arbeit, Ausbildung oder Praktikum anbieten
  • Kurse auch in den Nachmittag und Abendbereich legen ? Schriftspracherwerb fördern
  • besondere Sprachförderung für Berufe, in denen es einen Fachkräftemangel gibt, anbieten
  • zentrale Koordinationsstelle für Ehrenamtliche initiieren
  • Spracherwerb durch Beschäftigung und Sprachkurs
  • Qualifizierungsmaßnahme für pädagogisches Fachpersonal anbieten
  • Vernetzungsmöglichkeiten für pädagogisches Fachpersonal schaffen
  • „Sprachausweis“ für Geflüchtete einführen (Sprachstand, absolvierte Sprachkurse etc.)
  • ehrenamtliche Sprachpaten als Partner in Kindertagesstätten, Schulen und für professionelle Sprachkurse gewinnen
  • einheitliches Schulungskonzept für ehrenamtliche Sprachpaten erarbeiten
  • Sprachpaten untereinander, auch ortsübergreifend vernetzen
  • Sprach- und Alphabetisierungskurse flächendeckend ausbauen
  • Zielgruppenorientierte Sprachkurse anbieten (z.B. reine Frauenkurse mit Kinderbetreuung)
  • Datenbank mit aktuellen Sprachkursen erstellen
  • zentrale Anlaufstelle für offene Kursangebote - anbieterunabhängig - initiieren
  • die berufsbezogene Deutschsprachenförderung (gem. DeuFöV) ausbauen

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*Die genannten Ziele und Handlungsempfehlungen stellen im Einzelnen nicht zwingend die Sicht des Kommunalen Integrationszentrums dar. Im Rahmen des Integrationskonzeptes wurden diese in Zusammenarbeit mit Akteuren aus dem Kreis Coesfeld erstellt.