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Gesundheit, Pflege und Alter

„Migration ist ein Lebensereignis, das die individuelle Biografie und die Familienentwicklung über mehrere Generationen prägt. Migration beinhaltet Chancen und Risiken, nicht nur in sozialer, sondern auch in gesundheitlicher Hinsicht. Dazu tragen bereits die Lebensbedingungen im Herkunftsland einschließlich des dort herrschenden Risikos von Infektionskrankheiten bei. Der genetische sowie der kulturelle und sprachliche Hintergrund der zugewanderten Menschen und ihrer Familien spielt natürlich auch eine wichtige Rolle. Sodann können migrationsbedingte psychosoziale Belastungen wie z.B. Familientrennung, unklare rechtliche Rahmenbedingungen sowie nicht selten auch Verfolgung und Folter zu gesundheitlichen Belastungen führen.

Menschen mit Migrationshintergrund sind den gleichen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt wie Deutsche mit vergleichbarem Sozialstatus. Nicht nur aus ökonomischer, sondern auch in gesundheitlicher Hinsicht besteht die Möglichkeit, dass für Menschen mit Migrationshintergrund der Zugang zur Gesundheitsversorgung erschwert ist, aufgrund von Sprachbarrieren, Informationslücken und kulturellen Unterschieden im Gesundheits- und Krankheitsverständnis (Quelle: Schwerpunktbericht der Gesundheitsberichterstattung des Bundes Migration und Gesundheit, Robert KochInstitut Berlin, 2008).

Ziele*:

  • Geflüchtete, Ausländer und Menschen mit Migrationshintergrund kennen das deutsche Gesundheits- und Pflegeleistungssystem.
  • Der Zugang zur gesundheitlichen (medizinischen und pflegerischen) Versorgung ist niedrigschwellig.
  • Ärzte, Pflegekräfte und anderes medizinisches, pflegerisches und Betreuungspersonal sind in der Lage Eingriffe, Behandlungen und andere Hilfsleistungen verständlich und nachvollziehbar darzustellen.
  • Ein niedrigschwelliger Zugang zum Dolmetscher-/Übersetzerpool mit entsprechend fortgebildeten Mitarbeitern steht zur Verfügung.

Handlungsempfehlungen*:

  • Routineuntersuchungen und Behandlungen nachvollziehbar darstellen (Piktogramme, Flyer/Infoblätter in verschiedenen Sprachen)
  • psychosoziale und therapeutische Beratungsangebote ausbauen
  • Vermeidung von Folgekosten durch früheren und niedrigschwelligen Zugang zur medizinischen Versorgung geflüchteter Personen
  • Spezialisierung von Pflegediensten und Pflegeeinrichtungen auf die unterschiedlichen Zielgruppen
  • interkulturelles Training bei Pflegediensten, in Einrichtungen und in Krankenhäusern anbieten
  • qualifizierten Dolmetscherpool aufbauen, speziell für die psychotherapeutische Beratung
  • Dolmetscherinnen für weibliche und Dolmetscher für männliche Personen
  • Öffnung und Weiterentwicklung von Einrichtungen und Angeboten für Senioren
  • „Sprachkurse“ in Altenpflegeeinrichtungen und Altenbegegnungsstätten anbieten
  • sozial-emotionale Versorgung für allein geflüchtete Männer
  • Datenbank zu Pflegeeinrichtungen, Pflegediensten, Beratungsstellen usw. erstellen
  • Datenbank zu Kontaktstellen, Therapeuten und Ansprechpersonen im Bereich „Traumatherapie“ erstellen
  • Geflüchtete als potentielle Pflegekräfte wahrnehmen (Praktika, BFD, Ausbildung)
  • Schwimm- und Ernährungskurse, ggfs. nach Geschlechtern getrennt, anbieten
  • Vernetzung der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer gemeindeübergreifend organisieren
  • Direkte Partizipation der älteren Generation Geflüchteter und Menschen mit Migrationshintergrund bei Bedarfsermittlungen praktizieren

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*Die genannten Ziele und Handlungsempfehlungen stellen im Einzelnen nicht zwingend die Sicht des Kommunalen Integrationszentrums dar. Im Rahmen des Integrationskonzeptes wurden diese in Zusammenarbeit mit Akteuren aus dem Kreis Coesfeld erstellt.